Rundgang auf der Insel (max. Dauer: ca. 1,5 Stunden): Sehen Sie das „Open air“ Museum, die Verklärungs-Christi Kirche mit seinen 22 Kuppeln, die Schutz-Kirche mit seinen 10 Kuppeln, eine Mühle, alte Bauernwohnhäuser und eine Schmiede. Innenbesichtigung: die Schutzkirche und eines der Bauernwohnhäuser.
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Insgesamt befinden sich 1.369 Inseln im Onegasee, die größte darunter ist Kishi. Auf der knapp sechs Kilometer langen und ein Kilometer breiten Insel befindet sich in märchenhafter Naturlandschaft ein zum UNESCO-Kulturerbe zählendes Freilichtmuseum mit Denkmälern altrussischer Holzarchitektur.
Anfang der 60er Jahre hat man damit begonnen, insgesamt 82 Bauwerke der traditionellen Holzbaukunst von anderen Inseln und Dörfern rund um den Onegasee nach Kishi zu bringen. So können heute eine Schmiede, Wegekreuze, Kapellen, eine Windmühle, zwei Badehäuser – so genannte Banjas - sowie prächtige über 100 Jahre alte Bauernhäuser bewundert werden. Einen Sonderstatus nimmt die einkuppelige Lazarus-Kirche ein, die mit ihrer Entstehung um 1390 als ältester erhaltener Sakralbau aus Holz in Russland gilt. Doch nicht alle Bauwerke mussten erst auf die Insel transportiert werden - das Kirchenspiel von Kishi, „Kishi pogost“, bestehend aus der Marie-Schutz-Kirche, dem Glockenturm und der unvergleichlichen Christi-Verklärungskirche bildete von jeher das religiöse Zentrum der Region um den Onegasee. Diese Architekturgruppe gilt als „Harmonie in Holz“ und entstand am Höhepunkt der russischen Holzbaukunst, Anfang des 18. Jh. Die Besonderheit dieser architektonischen Kostbarkeiten liegt in der Tatsache, dass beide Kirchen ohne einen einzigen Nagel erbaut wurden!
Die Maria-Schutz-Kirche geht auf das Jahr 1708 zurück und war zunächst als helmgedeckte Turmkirche errichtet worden. Erst im Jahr 1764 ersetzte man den Dachabschluss durch neun Kuppeln. Während die Maria-Schutz-Kirche mit ihrer im Verhältnis zum massiven Oktogon etwas zu kurz geratenen Hauptkuppel eher plump wirkt, offenbart die benachbarte Christi-Verklärungs-Kirche vollkommene Proportionen. 22 pyramidenförmig ansteigende Kuppeln krönen die 37 Meter hohe Kirche. Hierfür wurden insgesamt 33.000 silber glänzende Schindeln aus Espenholz verarbeitet. Das hell erleuchtete Kircheninnere überzeugt vor allem durch seine beeindruckende holzgeschnitzte Ikonostase.
Der Legende zufolge ist die Christi-Verklärungs-Kirche im Jahr 1714 von einem einzelnen Holzbaumeister, ohne einen Nagel und ohne Bauplan, mit nur einem einzigen Werkzeug, nämlich einer Axt, errichtet worden. Die komplizierte Konstruktion oblag offenbar allein der visionären Kraft des Zimmermanns. Nach Vollendung seines Kuppelwunders soll er mit den Worten „So etwas gab es noch nie, gibt es nicht und wird es nicht noch einmal geben“ seine Axt in den See geschleudert haben. Dörfer und Kirchen der Insel Kishi wurden zum ersten Mal in Chroniken 400 Jahren her erwähnt. Im 16. Jahrhundert war Kishi Verwaltungszentrum des großen Kreises Saoneshje, mit zahlreichen Siedlungen auf den Inseln und am Festland. Es war ein Land, fleißiger, wohlhabender und gottgläubiger Menschen, reich an Kultur und Tradition.
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